450 km Anreise, 18 min. Gespräch – Zweitmeinung verweigert
40 Monate Wartezeit, 450 km Anreise, 18 Min. Gespräch – keine fachliche Zweitmeinung erhalten.
Termin 1: 1 Stunde 45 Minuten Gesprächsdauer.
Termin 2: 18 Minuten, um Begrüßungs- und Abschiedsfloskeln bereinigt.
Organisatorische Mängel beim ersten Termin:
Ich war 50 Minuten vor dem vereinbarten Termin in der Ambulanz anwesend. Die Anmeldung war aufgrund einer Mittagspause geschlossen und öffnete erst zum Zeitpunkt meines Diagnosetermins. Durch diese klinikbedingte Verzögerung konnte ich erst ca. 10 Minuten nach offiziellem Terminbeginn in die Diagnostik. Später wurde mir mitgeteilt, diese Verzögerung sei der Grund gewesen, warum das angekündigte ADOS-Interview "aus Zeitgründen" nicht durchgeführt werden konnte – eine Begründung, die angesichts meines nachweislich rechtzeitigen Erscheinens nicht nachvollziehbar ist.
Ablauf des zweiten Termins:
Prof. Vogeley wirkte unkonzentriert. Er unterbrach mich wiederholt mitten im Satz, auch nachdem ich ausdrücklich darum bat, meinen Gedankengang vollständig ausführen zu dürfen.
Ein erheblicher Teil der 18 Minuten entfiel darauf, dass ich mich für eine mir unterstellte Suizidäußerung (sic!) rechtfertigen musste – eine Aussage, die ich zu keinem Zeitpunkt getätigt hatte und die auch in den eingereichten Fragebögen nicht dokumentiert war.
Die mitgebrachten Unterlagen wurden nicht durchgesehen. Prof. Vogeley griff einen einzelnen Bericht heraus und äußerte sich kritisch über einen der dort genannten Ärzte. Zu einem weiteren Bericht bemerkte er sinngemäß: "Wie ist es Ihnen gelungen, an der Uni X zu diesem Ergebnis zu kommen?"
Trotz vorliegender umfangreicher Vorbefunde und mehrfacher schriftlicher Kommunikation erschien Prof. Vogeley ohne erkennbare Aktenkenntnis über bisherige Befunde, biografischen Hintergrund oder die bereits übermittelten Schilderungen.
Das Gespräch endete mit der Aussage (sinngemäß): "Sie können sich doch trösten: Sie haben ja schon die Diagnose von der Uni X."
Kontext:
Ich war ausdrücklich zur fachlichen Zweitmeinung in Köln. Dies wurde im Vorfeld mehrfach kommuniziert. Die Vorbefunde und diagnostischen Schreiben lagen bereits beim Erstgespräch vor. Genau deshalb hatte ich, auf Empfehlung mehrerer Fachärzte, nach über drei Jahren Wartezeit die Reise angetreten.
In mehreren E-Mails über einen Zeitraum von zwei Jahren hatte ich ausführlich dargelegt, dass eine Fremdanamnese in meinem Fall biografisch unmöglich ist (Flucht aus dem Ausland, Tod aller Bezugspersonen, fehlende Kindheitsdokumentation). Diese Information wurde im diagnostischen Prozess nicht berücksichtigt.
Methodische Mängel:
Die Diagnostik erfolgte ohne Einsatz international anerkannter Verfahren (ADOS-2, DIVA-5, SCQ). Dokumentierte Testwerte (AQ, EQ, SQ, TAS-20) wurden nicht in die Diagnosestellung einbezogen.
Zentrale, von mir mehrfach und konsistent dokumentierte Hauptsymptome wurden im Befundbericht nicht erfasst:
- Lebenslang bestehende schwere Schlafstörung
- Psychosomatisches Schmerzgeschehen bei Reizüberlastung
- Wiederkehrende wochenlange Erschöpfungsphasen nach emotional-sozialer Überforderung
Diese Auslassung ist methodisch gravierend, da die Erfassung funktionaler Einschränkungen ein zentrales Diagnosekriterium darstellt.
Der Befundbericht enthält zudem dekontextualisierte Aussagen, die meinen ursprünglichen Sinnzusammenhang verzerrt wiedergeben.
Empfehlung im Befundbericht:
Der Bericht empfiehlt "ambulante psychotherapeutische sowie psychiatrische Weiterbehandlung". Diese Empfehlung ignoriert, dass ich seit über 20 Jahren durchgehend in psychiatrischer Behandlung bin und bereits drei Langzeittherapien sowie mehrere stationäre Aufenthalte absolviert habe – Informationen, die den übermittelten Unterlagen zu entnehmen waren.
Folgen: Nach dem Gespräch befand ich mich in einer psychischen Ausnahmesituation. Ich fühlte mich übergangen, nicht gehört und nicht ernst genommen. Ich war nicht mehr in der Lage, meine Rückreise oder eine Übernachtung eigenständig zu organisieren. Ich wandte mich an die Polizei, die mich an die Bahnhofsmission verwies. Dort fand sich ein ehrenamtlicher Begleiter, der mich auf dem Rückweg unterstützte.







